Internetangebote zum Ersten Weltkrieg: Portale, Archive und Datenbanken nach Ländern
Kaum ein historisches Thema ist so umfassend digitalisiert wie der Erste Weltkrieg. Diese Übersicht führt die in diesem Portal verzeichneten Online-Angebote nach Ländern – von nationalen Archivportalen bis zu Sammlungen digitalisierter Feldpost.

Der Grund für die Fülle liegt im Zentenarium. Zwischen 2014 und 2018 flossen in ganz Europa erhebliche Mittel in Digitalisierungsprojekte; Archive öffneten Bestände, die vorher nur vor Ort einsehbar waren, und mehrere Länder legten nationale Portale an. Vieles davon ist bis heute erreichbar und für die eigene Recherche brauchbar.
Nützlich ist eine Unterscheidung nach Art des Angebots. Archivportale geben Zugriff auf Originalquellen und verlangen etwas Übung. Redaktionelle Portale ordnen ein und eignen sich für den Einstieg. Datenbanken – Verlustlisten, Gräberverzeichnisse, Regimentslisten – beantworten konkrete Fragen zu einzelnen Personen. Und Bildungsangebote liefern fertig aufbereitetes Material für den Unterricht.
Wie eine Online-Recherche aufgebaut wird
Digitale Angebote verführen dazu, sofort einen Namen in ein Suchfeld zu tippen. Bei häufigen Namen führt das zuverlässig ins Nichts. Sinnvoller ist eine feste Reihenfolge.
Schritt eins: sichern, was bekannt ist. Name in der zeitgenössischen Schreibweise, Geburtsjahr, Wohnort, Familienstand. Alles, was aus Familienunterlagen hervorgeht, gehört notiert – auch das scheinbar Nebensächliche wie eine Feldpostnummer auf einem Kartenrand.
Schritt zwei: die Einheit klären. Sie ist der Schlüssel zu allem Weiteren. Anhaltspunkte liefern Feldpostabsender, Schulterklappen auf Fotos, Militärpapiere und die digitalisierten Verlustlisten.
Schritt drei: den Frontabschnitt bestimmen. Aus der Einheit folgt über Regimentsgeschichten und Kriegstagebücher, wo sie zu welchem Zeitpunkt stand. Erst damit lässt sich abschätzen, wo ein Grab liegen könnte.
Schritt vier: die Grabsuche. Jetzt erst sind die Gräberdatenbanken sinnvoll nutzbar, weil Sterbedatum und Frontabschnitt die Treffer eingrenzen. Die verzeichneten Anlagen führt die Kriegsgräberliste, das Vorgehen im Einzelnen die Anleitung zur Gräbersuche.
Zwischen den Schritten liegt oft der eigentliche Fortschritt: Eine unleserliche Feldpostnummer, die sich über eine Nummernliste auflösen lässt, bringt eine Recherche weiter als jede Volltextsuche.
Verzeichnis
Adressen im Netz ändern sich. Führt ein Verweis ins Leere, hilft meist die Suche nach dem Projektnamen oder ein Blick in das Internet Archive, das viele dieser Angebote in älteren Fassungen bewahrt.
Eine Einschränkung gehört zu jeder Online-Recherche zum Ersten Weltkrieg: Die Überlieferung ist ungleich verteilt. Für Soldaten des Commonwealth, für Kanadier, Australier und Franzosen sind die Personalunterlagen weitgehend digitalisiert und frei zugänglich. Für deutsche Soldaten hängt fast alles vom Bundesstaat ab, in dem sie eingezogen wurden: Bayerische, sächsische und württembergische Bestände sind erhalten, preußische zum größten Teil 1945 verbrannt.
Diese Asymmetrie ist kein Detail, sondern bestimmt, wie weit eine Suche kommt. Wer für einen preußischen Vorfahren nichts findet, hat meist nicht schlecht gesucht, sondern stößt an eine Überlieferungslücke. In diesen Fällen bleiben die Verlustlisten, die Regimentsgeschichten und die kommunalen Quellen – Kirchenbücher, Meldekarten, Schulchroniken und die Lokalzeitung der Kriegsjahre, die Gefallenenmeldungen häufig mit Foto brachte.
Zum Schluss ein Hinweis, der außerhalb der Portale liegt: Die ergiebigste Quelle für eine lokale Recherche ist häufig nicht digitalisiert. Kirchenbücher, Meldekarten, Schulchroniken und vor allem die Lokalzeitung der Kriegsjahre liegen in Stadt- und Kreisarchiven und sind dort meist frei einsehbar. Zeitungen brachten Gefallenenmeldungen oft mit Foto und kurzer Lebensbeschreibung – für viele Familien die einzige erhaltene Abbildung eines Gefallenen. Wer online nicht weiterkommt, findet dort in einem Nachmittag mehr als in einer Woche Suchmaschine.
Häufige Fragen
Wo finde ich digitalisierte Quellen zum Ersten Weltkrieg?
Zentrale Anlaufstellen sind Europeana 1914–1918 mit digitalisierten Selbstzeugnissen und Objekten, die Portale der nationalen Archive sowie 1914-1918-online als wissenschaftliche Enzyklopädie. Für deutsche Bestände sind zusätzlich die Landesarchive und das Bundesarchiv einschlägig.
Gibt es Verlustlisten online?
Die deutschen Verlustlisten des Ersten Weltkriegs sind weitgehend digitalisiert und über genealogische Portale durchsuchbar. Sie verzeichnen Name, Dienstgrad, Einheit und Herkunftsort und sind der übliche Einstieg, wenn nur ein Name bekannt ist.
Welche Angebote eignen sich für den Unterricht?
Die Dossiers der Bundeszentrale für politische Bildung, das Lebendige Museum Online sowie die Materialsammlungen der Landeszentralen. Sie sind didaktisch aufbereitet, quellenbasiert und ohne Anmeldung nutzbar. Weitere Hinweise unter Pädagogisches Material.
Wie zuverlässig sind Online-Angebote zum Ersten Weltkrieg?
Sehr unterschiedlich. Als belastbar gelten Angebote von Archiven, Museen, Universitäten und öffentlich-rechtlichen Anbietern. Bei privaten Sammlerseiten ist Vorsicht geboten: Sie enthalten oft wertvolles Material, aber ohne Quellennachweis und gelegentlich mit falschen Zuschreibungen.